„Mein Vater ist beim MdI…“

… so sollten die Kinder antworten, wenn sie nach der Arbeit ihrer Eltern gefragt wurden. „MdI“, das stand in der DDR für „Ministerium des Innern“. In Wirklichkeit aber war es das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), in dem ihre Väter arbeiteten. Hauptamtlich. Mit lebenslang gültigem Eid. Und der Pflicht zu strikter Geheimhaltung. So strikt, dass sie auch zu Hause nicht über ihre Arbeit sprechen durften – und ihre Kinder zu einer Lüge anhielten.

Mit Beginn der Pubertät aber bekam das System meist die ersten Risse: Die Jugendlichen fingen an, Fragen zu stellen, hörten Musik vom „Klassenfeind“, weigerten sich, am Wehrkundeunterricht teilzunehmen oder trafen sich mit Freunden, die den Vätern politisch nicht genehm waren.

Doch was zum normalen Streitpotenzial zwischen Heranwachsenden und ihren Eltern gehört, führte in den Familien von Stasi-Mitarbeitern oft zu schweren Konflikten, weil es ihre berufliche Existenz bedrohte: Schon kleinste Vergehen konnten zu unangenehmen Befragungen durch die Disziplinarabteilung führen. Ein Sohn, der in den Westen wollte, eine Tochter, die sich in Kirchenkreisen bewegte, gar das Ende der Karriere bedeuten. Um sich selbst zu retten, berichteten viele MfS-Offiziere bereitwillig über ihre eigenen Kinder oder sagten sich offiziell von ihnen los. Der Feind, das konnte eben auch der eigene Sohn sein.



Mehr zum Thema (von der Autorin)

Interview mit Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Stasiunterlagen
"Eine ganze Elterngeneration schweigt"